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Ausgesext ?
Sex sells – diese beiden Worte lesen sich fast wie ein Naturgesetz, welches über Jahrhunderte seinen Wahrheitsgehalt unter Beweis gestellt hat. Ob es Pornografie oder der Verkauf von Schokoriegeln ist – überall wird das Allmachtsmittel Sex herangezogen um an des Menschen Geldbeutel zu greifen – und das offenbar mit grossem Erfolg. Bis jetzt zumindest! Doch wenn wir uns die Entwicklungen um das Thema, seit Erfindung des Internets ansehen, so stossen wir doch auf einige Fakten, die zumindest die Frage gestatten, ob dieses „Schwert Excalibur“ nicht mittlerweile gehörig an Schärfe verloren hat oder ob es nicht sogar schon stumpf ist. Zu den ersten Opfern dieser evolutionären Trendwende zählten sich die traditionellen Sexshops und Versandunternehmen, welche die ganze Schuld an der Misere den Pornoanbietern im Internet gaben. Doch weit gefehlt – denn erst durch diese Pornoanbieter im Netz ist das Thema zunächst mal wirklich zu einem ganz grossen Geschäft geworden, denn in der Masse wurde und wird heute wesentlich mehr Porno konsumiert als dies zu Zeiten ohne das world wide web der Fall war. Je weiter sich das Feuer der Sexlust durch die Datenleitungen über die ganze Welt verbreitete, desto mehr Verlierer kamen aber auch zum Vorschein. Das nächste, ganz und gar nicht lustvolle Stöhnen ertönte nämlich genau aus den Etablissements, in denen man sich die traute, sexuelle Zweisamkeit seit Jahrtausenden für Geld kaufen konnte. Die Puffs in der Krise – wer hätte das gedacht? Doch wenn wir uns nun noch etwas genauer umhören und umsehen, stellen wir fest, dass auch diejenigen, die sich bislang als „Sieger“ des Dilemmas bezeichnen konnten, ins Schwanken geraten. Die Umsätze der Internet-Erotikanbieter sind im freien Fall, wofür man in der Vergangenheit die kostenlosen Tuben verantwortlich gemacht hat, das Wetter, die Fussball-EM und einiges mehr. Doch auch im Bereich der Tuben zeichnet sich in letzter Zeit ein deutlicher Rückgang der Nutzerzahlen ab und so blicken wir rundherum auf ein riesiges Feld von Verlierern. Doch wo es Verlierer gibt muss es ja auch Sieger geben – denn ein anderes physikalisches Grundgesetz besagt, dass im Universum keine Energie verloren geht sondern lediglich ihre Form verändert. Und ganz sicherlich ist es so, dass in den Weiten der globalen Märkte gerade irgendwo ein Pflänzchen wächst, das heute noch so unscheinbar ist, das wir es nicht beachten. Die Suche nach diesem Pflänzchen wird wohl in der nahen Zukunft entsprechend viele beschäftigen. Ich will mich aber an dieser Stelle nicht diesem Pflänzchen widmen, sondern vielmehr die Frage nach dem Warum stellen und vielleicht die eine oder andere logische Begründung finden, die diese Reihenfolge von Ereignissen begreifbarer macht. Zunächst mal müssen wir daher die Frage beantworten, warum sich das Thema bisher so gut verkauft hat, obwohl es doch eigentlich ein natürliches Grundbedürfnis darstellt, das ebenso wie Luft zum atmen, frei verfügbar sein sollte. Aber da die Kirchen und Moralprediger dies eben verhindert haben, wurde es eben nichts aus der freien Verfügbarkeit und so könnte man behaupten, dass die Kirchen und Moralprediger die Grundlage zum Geschäft mit der Sexualität erst geschaffen haben. Aus demselben Grund könnte man also annehmen, dass die Wirkungslosigkeit mit der Jugendschützer und Gesetzeshüter gegen die Pornografie im Internet vorgehen, genau der Grund ist, dass sie heute so massenhaft verfügbar und damit leider uninteressant geworden ist. Auch wissen wir aus eigener Erfahrung, dass externe Reize, z.B. über Pornografie im Laufe der Zeit nachlassen. Kaum ein langjähriger Pornowebmaster lässt sich heute mehr von einem Pornofilm beeindrucken oder sieht ihn sich, ausser weil er es beruflich muss, mit Freude an? Warum sollte sich dies bei Usern, die überall mit dem Thema konfrontiert werden, anders verhalten? Die Freiheit die wir also mit der Thematik propagieren und die wir heute zigmillionenfach im Netz, für jeden erreichbar vorfinden, hat also zu einer Angebots –und Reizüberflutung geführt. Jeder hat schon alles gesehen – die Neugier ist gestillt – nun kann sich der Mensch auf andere Dinge konzentrieren. Die Frage ist, ob wir deshalb nun anfangen sollten, Moralisten und Jugendschützer in ihrer Meinung zu bestärken und sie damit wieder zu den besten Werbeträgern unserer Botschaft machen sollten oder ob wir uns tatsächlich damit abfinden, dass die reale Welt eine ganz andere geworden ist, als die Traumwelt dieser Windmühlenkämpfer. Als Idealist bevorzuge ich die letzte Version, denn neben allem Geschäftsinteresse haben Pornomacher doch eine Sache gemeinsam: Wir kämpfen alle gegen Doppelzüngigkeit und falsche Moral und das was wir tun ist auch ein stückweit Protest gegen das dogmatische Denken der ewig Gestrigen. Vielleicht stehen wir ja eines Tages mal in den Geschichtsbüchern als diejenigen, die es geschafft haben, die natürlichste und freiste Sache der Welt vom Waren, –Handels, -und Dienstleistungstum zu befreien. Für diejenigen die dann in einer fernen Zukunft, saubere Luft für teuer Geld übers Internet verkaufen, sind wir dann womöglich die Helden einer vergangenen Zeit. |
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